Let’s Law III: “Eigentlich habe ich den leichtesten Job.”

Die Überschrift ist ein Zitat von Gronkh (Quelle), das unabhängig vom eigentlichen Zusammenhang, im Nachgang zum zweiten Beitrag der Let’s Law-Reihe zu einem weiteren urheberrechtlichen Aspekt überleiten soll. Nachdem nun die rechtliche Qualifikation von Computerspielen bzw. deren audiovisuelle Darstellung geklärt ist, möchte ich mich nun der rechtlichen Qualifikation der Tätigkeit von Let’s Playern zuwenden. Genügt der “leichteste Job” für die Werkeigenschaft im Sinne des Urhebergesetzes?

Not Yourscraft. (Minecraft, 2011)

Inwieweit ein Let’s Play als eigenständig und damit als Werk im Sinne des Urhebergesetzes (UrhG) betrachtet werden kann, wodurch es selbst einem Werkschutz untersteht, ist abhängig von der Beantwortung der Frage, ob es sich lediglich um die Interpretation eines bereits bestehenden (selbst geschützten) Werks oder ob es sich um die Schaffung eines neuen Werks handelt. Die Voraussetzungen für die Bewertung, wann ein Werk die notwendigen Anforderungen aufweist, liefert das Gesetz in § 2 UrhG. Die Regelung fordert sowohl Schöpfungshöhe als auch Individualität. Das Vorliegen dieser Voraussetzungen ist insbesondere bei Spielen denkbar, die dem Spieler freie Hand lassen. Als eigene Werke kämen hierbei insbesondere aufwendige Bauten, Stadtkomplexe oder Landschaften in Minecraft (2011) in Betracht. Besonders beeindruckende Werke finden dabei selbst den Weg in Fachpublikationen (Beispiel: WesterosCraft – Wahnsinnsprojekt: Game of Thrones meets Minecraft, in: Gamona v. 07.02.2015, zuletzt abgerufen am 16.01.217, 16:45 Uhr).

Wie bereits im ersten Beitrag der Let’s Law-Serie dargestellt, kommen bei Let’s Plays im Gegensatz zu Playthroughs zumeist weitere kreative Elemente zu Unterhaltungszwecken hinzu. Die rechtliche Bewertung ist somit auch davon abhängig, inwiefern der Let’s Player beispielsweise eine Facecam oder Kommentare dazu nutzt, um seine Persönlichkeit und Kreativität auszudrücken. Die meisten Let’s Player begreifen sich in diesem Zusammenhang zumeist nicht als professionelle Spieler, sondern vielmehr als Entertainer oder Moderatoren. Übersteigen die Let’s Plays vor diesem Hintergrund das reine Spielen bzw. Darstellen oder Interpretieren der audiovisuellen Darstellung des Computerspiels kann dem Let’s Play Werkcharakter zukommen. Rechtlich wäre es wohl als Filmwerk im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 6 UrhG einzuordnen.

“My genius will be understood – eventually.” (League of Legends, Charakter: Jhin (Pick und Ban Phase))

Das Leistungsschutzrecht von Let’s Plays, die die vorgenannten Voraussetzungen von Schöpfungshöhe und Individualität nicht erreichen, ist weiterhin fraglich, mithin würden Let’s Player schutzlos gestellt. Vor dem Hintergrund des besonderen Schutzgrundes von Filmwerken bzw. Laufbildern im dritten Teil des UrhG, namentlich der zumeist hohe finanzielle Aufwand, ist dies jedoch sachgemäße Konsequenz.

Unbestritten ist das Ergebnis sowohl bei Produzenten von Filmwerken bzw. Laufbildern und einem Let’s Player in Form der Produktion und Veröffentlichung eines Films identisch. Allerdings ist die Produktion eines Let’s Plays auch mit einem nur bedingt leistungsstarken PC am heimischen Schreibtisch mit vorinstallierten Bearbeitungsprogrammen möglich. Die Unterscheidung erscheint daher gerechtfertigt.

Let’s Present

Ausübender Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer ein Werk oder eine Ausdrucksform der Volkskunst aufführt, singt, spielt oder auf eine andere Weise darbietet oder an einer solchen Darbietung künstlerisch mitwirkt.
§ 73 UrhG

Einen weiteren Ansatz zum Leistungsschutz von Let’s Playern liefert § 73 UrhG. Die gesetzliche Regelung fordert, dass ein ausübender Künstler an der Darbietung eines Werks mitwirkt. Definiert wird die Darbietung als “künsterische Leistung im Sinne einer Werkinterpretation” (Stang, in: Ahlberg/Götting, BeckOK UrhR, Ed. 9, § 73 Rn. 9). Ein Rechtsschutz ist folglich auch dann denkbar, wenn ein professioneller Spieler ein rechtliches Interesse an seiner konkreten Spielweise hat. Insofern ist bei solch kreativen Spielstrategien auch ein Leistungsschutz denkbar (vgl. Wandtke/Ohst, Medienrecht Praxishandbuch, 3. Aufl., Band 2, Kap. 6 Rn. 29). So mag dies Spielern des MOBA-Klassikers “League Of Legends” wohl am geläufigsten sein, wenn in einem Match “der xpeke gemacht wird”.


Die Let’s Law-Blogreihe:

Let’s Law I: Let’s Plays, Playthrough und andere Missverständnisse

Let’s Law II: Spiel mir das Lied vom Urheberrecht

Let’s Law III: „Eigentlich habe ich den leichtesten Job.“

Let’s Law IV: Ich will doch nur spiel’n.

Let’s Law V: Indiziert und doch beliebt. Wie geht das?