Let’s Law I: Let’s Plays, Playthrough und andere Missverständnisse

Entertainment auf Internetplattformen, wie insbesondere auf YouTube, hat viele Gesichter. Bereits auf der Startseite des Internetportals fallen unter der typisch roten Überschrift „Das Beste auf YouTube“ fünf Bereiche auf, denen das Google-Unternehmen wohl das größte Zuschauerinteresse zurechnet: Sport, Gaming, Nachrichten, Live und 360°-Video. Die Kategorie „Gaming“ wird in meiner Beitragsreihe „Let’s Law“ eine besondere Bedeutung einnehmen. Hierunter fallen die sogenannten „Let’s Plays“, auf die ein genauerer Blick geworfen werden soll.

Der erste Beitrag befasst sich als Einstieg ins Thema zunächst mit dem Begriff, unterschiedlichen Ausprägungen der Unterhaltungsform und ein paar bemerkenswerten Protagonisten der Szene.

Spielerlebnis aus der Konserve

Let’s Play kann wohl aus dem Englischen übersetzt werden mit der freundlichen Aufforderung „Lass uns spielen“. Freunde von zeitsparenden Abkürzungen werden mit den Buchstaben „LP“ fündig. Hierunter kann die Vorführung eines Computerspiels verstanden werden, das während der Aufnahme von einer oder mehreren Personen durch Kommentare begleitet wird. Gemeinschaftliche Let’s Plays werden gerne auch unter dem Begriff „Let’s Play Together“ veröffentlicht.

Im Rahmen eines Let’s Plays werden zumeist ausgewählte Sequenzen, die der Spieler bewältigt hat, zusammengestellt und bearbeitet, um das Werk auf Internetplattformen hochzuladen und jederzeit verfügbar zu machen. Die audiovisuellen Spielsequenzen werden neben dem Kommentar des Spielers zumeist durch das Einblenden einer sog. Facecam, die den Spieler beim Spielen selbst zeigt, und das Verwenden von Effekten gestaltet.

Von einem Let’s Play sind auf Video aufgezeichnete Komplettlösungen (engl. „Playthrough“) zu unterscheiden. Steht im Rahmen eines Let’s Plays der Spieler und/oder dessen Spielerlebnis im Vordergrund, verstehen sich Playthroughs dagegen als anschauliche Anleitung, wie ein Computerspiel erfolgreich beendet oder ein bestimmter Erfolg erzielt werden kann. Obwohl sich diese Spielanleitungen zumeist nicht mehr nur nüchtern auf das bloße Durchspielen der Spiele beschränken, bleiben diese unkommentiert bzw. konzentrieren sich Kommentare auf die Funktionen des Spiels und zielen auf eine möglichst effiziente Lösung bestimmter Spielsequenzen ab.

Spielerisch in Szene gesetzt

Mittlerweile machen Let’s Plays auf der genannten Videoplattform einen nicht zu vernachlässigenden Teil der Videoaufrufe aus. Gibt man auf YouTube den Suchbegriff „Let’s Play“ ein, so erhält der Suchende etwa 75.500.000 Ergebnisse (Stand: 11.01.2017, 13:26 Uhr). In diesem Dschungel vermag jeder schnell die Orientierung verlieren. So helfen Analyse- und Statistikportale, wie z.B. Socialblade, bei der Orientierung.

Der mit Abstand bekannteste Let’s Player, der ferner auch den meistabonnierten YouTube-Kanal betreibt, ist der Schwede Felix Kjellberg, besser unter dem Namen PewDiePie bekannt. Mit beeindruckenden 52.246.439 Abonnenten und 14.329.657.330 Videoaufrufen (Stand: 11.01.2017, 13:31 Uhr) hat er sich an der internationalen Spitze festgesetzt, was ihm sogar einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde eingebracht hat. Weiterhin beeindruckte die Meldung, dass PewDiePie im Jahr 2014 für Werbeeinnahmen insgesamt rund 6,6 Mio. € erhielt.

In Deutschland zählt Erik Range (alias „Gronkh„) zur Spitze der Szene. Der Let’s Player hält sich auf dem zweiten Platz der am meist abonnierten Kanäle national mit 4.381.442 Abonnenten und kann mit 2.084.357.907 Videoaufrufen Platz drei sichern (Stand: 11.01.2017, 13:42 Uhr). Seit 12.03.2006 veröffentlicht der gebürtige Braunschweiger täglich zumeist mehrere Let’s Plays zu unterschiedlichsten Spielen aus einer Vielzahl von Genres.

Eine ähnliche hohe Anzahl, nämlich 1.678.336.992 Videoaufrufe (Stand: 11.01.2017, 13:44 Uhr), kann die Let’s Player-Gruppe PietSmiet auf sich vereinigen. Auf Platz 21 national mit 2.103.998 Abonnenten (Stand: 11.01.2017, 13:44 Uhr) haben sich die fünf Mitglieder rund um Herrn Peter Smits einen Namen gemacht und begeistern ihre Fans täglich mit unterschiedlichsten Einblicken in Klassiker und Neuerscheinungen.

Weitere Größen im deutschsprachigen Raum sind u.a. Felix von der Laden (Dner), Manuel Büttinghaus GermanLetsPlay und Patrick Mayer (Paluten).

Industrielle Konserve

Insbesondere an den Kanälen „Gronkh“ und „PietSmiet“ lässt sich jedoch sehr schön darstellen, dass es sich bei den kommentierten Videoaufnahmen nicht mehr nur um eine vergnügliche Freizeitbeschäftigung handelt, sondern eine Industrie aus Netzwerken und Unternehmen zur Professionalisierung der Let’s Play-Szene geführt hat.

Erik Range ist Geschäftsführer der am 12.02.2009 eingetragenen PlayMassive GmbH (AG Köln, HRB 65190). Der weitere Geschäftsführer ist Herr Valentin Rahmel, der als „Sarazar“ erfolgreich einen eigenen YouTube-Kanal mit Let’s Plays betreibt. Ein genauerer Blick auf den Unternehmenszweck macht deutlich, wohin die Reise gehen soll:

Gegenstand: die Erstellung von Internetseiten, Computerspielen, Browseranwendungen, Computersoftware, Spielezubehör, Computerzubehör, Druckschriften, Zeitschriften, Zeitungen, Büchern und Broschüren, die redaktionelle Betreuung von Websites und Magazinen, die Erstellung von Videobeiträgen im redaktionellen Zusammenhang, die Betreuung von Online- und Spielecommunities, die Vermarktung und Pressearbeit für jegliche im Zusammenhang stehenden Produkte, die Planung und Durchführung von Werbeaktionen (Promotion), die Gestaltung von Werbemitteln, Vermietung von Werbeflächen (auch im Internet), Einkauf und die Verwaltung von Werbemittelbeständen, die Planung und Durchführung von Veranstaltungen (Event Management), sowie jede damit im Zusammenhang stehende Tätigkeit.“ (Quelle: Neueintragung vom 12.02.2009, abrufbar unter handelsregister.de).

Momentan hält die PlayMassive GmbH im Übrigen 66 2/3% der Anteile an der looterkings GmbH, für die die beiden Geschäftsführer neben Manuel Schmitt in gleicher Position tätig sind. Auch der dritte Herr im Bunde ist Let’s Play-Fans kein Unbekannter, so wirkte er als SgtRumpel bei mehreren Let’s Plays von Gronkh und Sarazar mit und produziert mit ihnen neben eigenen Videoproduktionen auch den Spieltitel „Looterkings“. Darüber hinaus ist sowohl der Name „Gronkh“ (DPMA RN 302012002717) als auch „Sarazar“ (DPMA RN 302012002716) seit 2012 markenrechtlich geschützt.

Das Vorgehen ist erfolgreich, der Markt ergiebig. Dies belegen nicht zuletzt die Geschäftszahlen. Ein Gewinnvortrag in Höhe von 1.616.995,79 € und ein Jahresüberschuss von 386.947,15 € im Geschäftsjahr 2015 sprechen für sich.

Beeindruckend ist ebenfalls die wirtschaftliche Tätigkeit, die der Kanal „PietSmiet“ neben den Let’s Plays entfaltet. Der Haupt- und Nebenkanal wird verwaltet von der PietSmiet UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG (AG Köln, HRB 29109), deren persönliche haftende Komplementärin die Smits & Brammen Verwaltungs UG (haftungsbeschränkt) (AG Köln, HRB 75448) ist. Deren Geschäftsführer sind zwei Mitglieder der Let’s Player-Gruppe, namentlich Peter Smits und Dennis Brammen. Letztgenannter ist ferner Geschäftsführer der PietSmiet Holding GmbH (AG Köln, HRB 84294) für den „Erwerb und das Verwalten von Unternehmensbeteiligungen“ und der eSportsMeta GmbH (AG Köln, HRB 86201) für „die Erstellung und der Betrieb einer Homepage rund um eSports, die Einrichtung und die Unterhaltung eines Casting Teams sowie eines eigenen Teams zur Teilnahme an eSports„.  Weiterer Geschäftsführer der eSportsMeta GmbH ist Christan Stachelhaus, seines Zeichens ebenfalls Mitglied bei der PietSmiet-Gruppe.

Dennis Brammen ist daneben Gesellschafter der Webedia Gaming GmbH (AG München, HRB 218859), die u.a. laut Unternehmenszweck Multichannel-Netzwerke auf YouTube betreibt, und der 2nd Wave GmbH (AG Charlottenburg/Berlin, HRB 180914 B) zum „Betrieb einer Agentur in den Bereichen Künstlermanagement, Marketing und die Erbringung von Dienstleistungen im Bereich Content-Produktion, Konzeption sowie strategische Beratung„.

Wirft man einen Blick in das Impressum des Entertainment-Netzwerks allyance, findet sich dort zur Gesellschafterstruktur ein interessanter Hinweis:

Gesellschafter der Webedia Gaming GmbH sind der Mehrheitsgesellschafter Webedia GmbH, (Amtsgericht Charlottenburg, HR B 114531 B), sowie PietSmiet Holding GmbH, (Amtsgericht Köln, HR B 84294) und die Connected 4 Media GmbH (Amtsgericht München, HR B 218234).“

Die Frage, welches Netzwerk die Kanäle von PietSmiet betreut, erübrigt sich wohl.

Geschickt eingefädelt.


Die Let’s Law-Blogreihe:

Let’s Law I: Let’s Plays, Playthrough und andere Missverständnisse

Let’s Law II: Spiel mir das Lied vom Urheberrecht

Let’s Law III: „Eigentlich habe ich den leichtesten Job.“

Let’s Law IV: Ich will doch nur spiel’n.

Let’s Law V: Indiziert und doch beliebt. Wie geht das?

5 thoughts on “Let’s Law I: Let’s Plays, Playthrough und andere Missverständnisse

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