Planlos zum Erfolg oder: Wie läuft ein Mediationsverfahren ab?

Die Mediation ist ein besonderes Konfliktbearbeitungsverfahren, das zwischen Konfliktparteien vermittelt, um Verständnis zu schaffen und dort konstruktive Kommunikation zu ermöglichen, wo diese nicht mehr möglich erscheint. Hierzu bietet der Mediator einen strukturierten Verhandlungsrahmen an, der die notwendige Sicherheit und Transparenz bietet, um sich für eine Mediation bereit zu erklären. Die Verantwortung für das geordnete, aber variable und fallspezifische Durchlaufen der verschiedenen Phasen trägt der Mediator. Auf seine Prozessverantwortung wurde bereits in diesem Beitrag näher eingegangen. Einen Überblick über die einzelnen Verfahrensabschnitte möchte dieser Beitrag ermöglichen.

Vorphase

In der Vorphase wird der Kontakt zum Mediator hergestellt. Dies kann durch eine oder beide Konfliktparteien erfolgen oder idealerweise durch einen gemeinsam gewählten Dritten. Die Konfliktparteien werden über die Besonderheiten und Bedingungen der Mediation informieren. Hierzu erhalten Sie zumeist Informationsmaterialien vom Mediator. Während der Vorbereitung wird die konkrete Vorgehensweise besprochen, z.B. Termine vereinbart und Kosten kalkuliert.

Phase 1: Eröffnungsphase/Einleitungsphase

Zu Beginn dieser Phase wird eine angenehme Atmosphäre geschaffen, in der sich die Konfliktparteien entspannen und Vertrauen aufbauen können. Der Mediator berichtet über seinen Hintergrund und seine Erfahrungen. Die Konfliktparteien stellen sich und ihre Sichtweise vor. Die allseitigen Erwartungen an die Mediation werden geklärt und auf Übereinstimmung geprüft. Hierauf aufbauend legen die Beteiligten die grundlegenden Verhaltensweisen fest, um im Mediationsverfahren einen respektvollen Umgang miteinander zu gewährleisten. Offene Fragen werden geklärt. Die Phase schließt nach ausreichend Bedenkzeit für die Konfliktparteien mit dem Abschluss des Mediationsvertrags, der sämtliche Regelungen und Vereinbarungen schriftlich festhält.

Phase 2: Darlegungsphase

Nacheinander legen die Konfliktparteien in dieser Phase ihre Sichtweise des Konfliktgeschehens und ihre Gefühle dabei dar. Der Mediator sorgt durch Verständnisfragen für Klarheit und Eindeutigkeit. Hilfsweise unterstützt er bei der Formulierung. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird die direkte Kommunikation zwischen den Konfliktparteien angeregt, insbesondere durch direkte Fragen. Zu diesem Zweck bedient sich der Mediator unterschiedlicher Techniken, z.B. Verdeutlichungen, Paraphrasierungen und Spiegelungen. Besonderes Augenmerk wird seitens des Mediators auf Gemeinsamkeiten und Differenzen gelegt. Auf dieser Basis können dann die nächsten Schritte festgelegt werden.

Phase 3: Vertiefungsphase

Zentraler Punkt des Herzstücks der Mediation ist Verständnis und Empathie für die Auffassung der jeweiligen Gegenseite zu schaffen. Dies soll durch eine detaillierte Aufarbeitung der einzelnen Konfliktthemen und -elemente erreicht werden. Der Mediator führt dabei die Parteien von der Wahrnehmung über das Denken, Fühlen und Wollen zu den Bedürfnissen, die einer Konfliktbeendigung derzeit noch entgegenstehen, weil sie nicht befriedigt sind und/oder angegriffen werden. Jede Partei erhält den benötigten Raum für Ihre Ausführungen, wobei die direkte Kommunikation stets angeregt wird.

Phase 4: Lösungsphase

Nachdem es gelungen ist, den Konflikt zu benennen und verständlich zu machen, sind die Konfliktparteien in der Lage, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Zur Unterstützung wird der Mediator geeignete Techniken zur Verfügung stellen. An der Lösungsfindung direkt wird es sich nicht beteiligen. Die Lösungen werden gemeinsam strukturiert und ausgewertet. Die verbleibende Auswahl wird auf Idealvorstellungen und Akzeptanz der Streitenden überprüft. Im nächsten Schritt werden konkrete Handlungen abgeleitet und dann ausformuliert. Eine Überprüfung Satz für Satz gibt Sicherheit.

Phase 5: Übereinkunft

Der Inhalt aus dem Ergebnis der Phase 4 wird schriftlich vom Mediator ausformuliert. Die hieraus resultierende Vereinbarung enthält neben konkreten zukünftigen Verhaltensweisen der Konfliktparteien auch Regelungen darüber, wie neue Probleme zu behandeln sind oder falls sich Situationen ändern. Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung wird diese auch durch eine symbolische Handlung, wie z.B. einen Handschlag, besiegelt.

Phase 6: Umsetzungsphase

Die geschlossene Vereinbarung wird nun in die Praxis umgesetzt. Im Falle von Schwierigkeiten sind die Parteien nun in der Lage, sich hierüber zu informieren und ggf. den Mediator heranzuziehen.

Phase 7: Nachtreffen und ggf. Feinjustierung

Zumeist wird sich in der Vereinbarung eine Klausel finden, die ein Folgetreffen vorsieht, wenn ein wenig Zeit vergangen ist. Einerseits dient dies zu einer inhaltlichen Überprüfung, ob sich die Vereinbarung in der Praxis bewährt hat. Andererseits soll erneut auf dieser neuen Grundlage die Gefühls- und Bedürfnisebene besprochen werden. Notfalls können zu diesem Zeitpunkt nach Evaluierung der bisherigen Maßnahmen neue bzw. andere vereinbart werden.

 

 

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