Was tut ein Mediator?

Mediation ist ein innovatives Konfliktbearbeitungssystem, für das insbesondere die Eigenverantwortlichkeit kennzeichnend ist. Die Experten des Konflikts behalten den Konflikt in ihren Händen und lösen ihn in eigener Verantwortung, wozu sie selbst Lösungen entwickeln. Was tut hierbei jedoch ein Mediator? Welchen Beitrag leistet er für die Konfliktlösung? Auf diese Fragen möchte der nachfolgende Beitrag Antworten finden.

Regisseur der Konfliktlösung?

Die Mediation ist gekennzeichnet, dass sich die Medianten in einem gesicherten Verhandlungsrahmen bewegen, der vom Mediator geboten wird und der dazu geeignet ist, Konflikte aufzuarbeiten und zu lösen. Mithin trägt der Mediator die Verantwortung für den Verhandlungsprozess, in den die Konfliktparteien eingetreten sind. C. Duve benutzte hierfür den Begriff der Prozessverantwortung.

Die Prozessgestaltung ist abhängig von den Konfliktparteien und vom Konflikt selbst. Die vom Mediator einzunehmende Prozessposition und die dafür konstruktiv einzunehmende Rolle im Verhältnis zu den Konfliktparteien ist daher nicht statisch, sondern vielmehr situationsabhängig.

Folgende Rollen im Verhältnis zu den Konfliktparteien sind denkbar:

  • Problem-Aufdecker
    = Helfer bei der Benennung des Konflikts
  • Trainer (nach Kracht)
    = Unterstützer einer Konfliktpartei bei der Benennung eines Verhandlungsziels
  • Interessenvertreter
    = (Allparteilicher) Vertreter der Anliegen aller Parteien durch Wahrung sämtlicher Anliegen
  • Verhandlungsleiter
    = Initiator der Kommunikationskanäle zur Ermöglichung zielgerichteter Kommunikation zwischen den Konfliktparteien
  • Ressourcenerweiterer
    = Vermittler von Verfahrenshilfen und Fachwissen zur Erweiterung des Spektrums der Einigungsoptionen
  • Evaluator (nach Haft)
    = Assistent zur Korrektur unrealistischer Zielsetzungen
  • „Agent of Reality“ (nach Breidenbach)
    = Assistent bei der Klärung des Sachverhalts und der Wahrnehmung der Parteien
  • Katalysator (nach Anton)
    = „Er ermöglicht die Verbindung von Teilen, die ohne dessen Hilfe nicht zueinander finden würden.“ (Zitat v. Karl Anton)
  • Sündenbock
    = Mediator zwingt die Parteien, sich unangenehmen Situation zu stellen.
  • Familiendoktor
    = Unterstützer bei auch nicht relevanten Lebenssituationen
  • Hofnarr
    = Witzbold für eine angenehme Gesprächsatmosphäre

Mediator zum Konflikt

Die innere Grundhaltung des Mediators gegenüber Mediation und den Medianten beeinflusst dessen Arbeit maßgeblich. Ob er die Grundhaltung und deren Anforderungen (Allparteilichkeit, Authentizität und Empathie) erfüllen kann, ob dies glaubhaft oder vielleicht auch nicht gelingt, ob dies mühelos oder nur mit großer Kraftanstrengung möglich ist, ist von der Grundhaltung abhängig.

So sind Mediatoren authentische und geduldige Zuhörer, denen kein noch so kleiner Zwischenton entgeht. Mimik und Gestik der Konfliktparteien werden vom ihm aufmerksam beobachtet. Mit entsprechendem Sachwissen über Lebensgestaltungen und dem eigenen Erfahrungsschatz können Emotionen wahrgenommen und mit der erforderlichen Sensibilität offengelegt werden. Mediatoren wertschätzen jedes Individuum und bilden sich möglichst sehr spät ein eigenes Urteil. Jede Wahrheit einer Konfliktpartei wird unkommentiert als richtig angesehen. Eigene Emotionen und Anschauungen und die eigene Person werden vollständig in den Hintergrund gestellt.

Mediator im Konflikt

Wie die innere Grundhaltung die Arbeit des Mediators beeinflusst, wird auch die Haltung des Mediators im Streit und bei emotionalen Konflikten durch das eigene Konfliktverhalten bestimmt. Teilt der Mediator die Auffassung, dass Konflikte Chancen sind, so wirkt das Mediationsverfahren authentisch auf die Medianten. Anderweitig wird der Mediator sich nahe einer Konfliktsituation unwohl fühlen, was wiederum den Erfolg des Mediationsverfahrens gefährdet.

Zusammenfassung

Der Mediator verantwortet die äußerliche und innerliche Verfahrensgestaltung. Vielfach wird hierbei von der sog. Prozessverantwortung gesprochen. Diese Verantwortung erfüllt der Mediator neben der Sicherstellung eines Verhandlungsrahmens durch die Wahrnehmung verschiedener Rollen. Von der persönlichen Qualität und seiner Möglichkeit zum Ausfüllen der Aufgaben hängt ein maßgeblicher Teil des Erfolgs eines Mediationsverfahrens ab. Somit kommt dem Mediator ein eigener Verantwortungsbereich zu, den er allein zu verantworten hat.

 

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